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Geschrieben von: Administrator   
Montag, 10. Mai 2010 um 17:23 Uhr

 

Unter dem Titel "Beiträge" sollen von Zeit zu Zeit verschiedene Aspekte aus dem Bildungsangebot des DRK-Ortsvereins Sindelfingen dargestellt werden, die auch außerhalb der Seminare geeignet sind, Anregungen zu geben und nachdenklich zu machen.


Aktuell wollen wir Ihnen ein paar Tipps geben, wie Sie ihre

Zufriedenheit

erhöhen können, denn Zufriedenheit ist der erste Schritt, um Stress zu reduzieren und Burnout-Symptome zu vermeiden.

Danach wollen wir uns aus dem Themenbereich "Kommunikation" mit einer der wichtigsten Kommunikationstechnik - evt. sogar mit der wichtigsten  - befassen, dem

>   Zuhören.

Wertschätzung und Interesse an anderen Menschen setzt die Fähigkeit "zuhören" zu können zwingend voraus - und nur wer zuhören kann, hat in seinem Herzen nicht nur Platz für sich selbst, sondern tatsächlich auch für andere.

Weiterhin wollen wir Ihnen die Bedeutung des

> Kohärenzgefühls

für ein stressfreies Dasein

nahe bringen und schließlich ein paar Möglichkeiten aufzeigen, wie man seine Sehnsucht nach

> Zuwendung und Kontakt

befriedigen kann.

Viel Spaß beim Lesen und viel Erfolg in der praktischen Anwendung der Anregungen!


Achtung - es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen! Wie beim Erlernen des Ski-Fahrens erlernt man auch neue Verhaltensweisen nur über die obligatorischen "Anfänger-Stürze".




Zufriedenheit

Zufriedenheit ist keine „göttliche“ Gabe, die über einen kommt, sondern ein Gefühl, das  als Ergebnis einer positiven emotionalen Bewertung entsteht. Eine solche emotionale Bewertung muss durch Erfahrung erworben oder erlernt werden und kann ebenso wieder in Vergessenheit geraten:
 

  1. Zufriedenheit und Genuss muss als emotionale Reaktion trainiert werden

 

Fragwürdige gesellschaftliche Werte und Zwänge, entsprechende Erziehung und Sozialisation sind regelmäßig für eine genussfeindliche Grundhaltung verantwortlich, in der das Gefühl des Genusses als tabuisiert verdrängt wird:
 

  1. Zufriedenheit und Genuss muss man sich daher bewusst zugestehen und erlauben

 
In stressreichen Phasen sinkt die Bereitschaft, sich positivem Erleben und der Erholung zu öffnen. Positive Erlebnisse im Alltag oder in der Freizeit werden kaum noch wahrgenommen, da die Aufmerksamkeit in Form der selektiven Wahrnehmung nahezu ausschließlich auf Stressoren und die Stresserscheinungen gerichtet ist.Die Wahrnehmung sollte bewusst und selektiv auf positive Erlebnisse und Erfolge gelenkt, Belastendes und Negatives möglichst ausgeblendet werden

Wird Leistung zum Selbstzweck - „Ich leiste, also bin ich“ - können auch Aktivitäten Stress verursachen, die eigentlich der Entspannung dienen sollen. Sport in Form von Wettkämpfen und Siege als Selbstbestätigung erlauben keinen Stressausgleich:  Entspannungs- und Erholungstechniken dürfen keinem anderen Ziel dienen, 
als dem der Entspannung und Zufriedenheit.
Entspannung muss Spass machen, Freude bereiten, soll anregend und interessant sein und darf nicht als Herausforderung empfunden werden, nur dann stellt sich Zufriedenheit ein.

Der Mensch hat ein grundlegendes Kontaktbedürfnis. Einsamkeit ist Stress und keine Entspannung, sie schließt Freude, Genuss und Zufriedenheit aus: Suchen Sie für sich angenehme und erfreuliche Kontakte, pflegen Sie diese. Sie sind dadurch nicht nur zufriedener, sondern erwerben wichtige Ressourcen zur Stressbewältigung.

Um zufrieden zu werden, bedarf es keiner größeren oder organisatorisch aufwändigen Unternehmung, es gibt genügend alltägliche Dinge, die zufrieden machen können, z.B.
 intensivere Wertschätzung scheinbar „banaler“ Alltagsdinge und -erlebnisse. Dazu gehört auch eine Veränderung der eigenen Vorstellungen von „Sinn“, sinnvollen Tätigkeiten, sinnvollem Leben - es ist individuell die Frage zu beantworten, was ist für mich sinnvoll, warum ist das so und kann ich noch 
mehr Sinnvolles entdecken.

Zufriedenheit und Hektik schließen sich einander aus. Wer stets auf dem Sprung ist, stets aktiv sein muss - wird keine Zeit haben, Erreichtes oder Erlebtes zu genießen: für Zufriedenheit und Genuss ist bewusst ausreichend Zeit vorzusehen

Geschmack und Vorlieben sind individuell verschieden, allgemeingültige Situation des Genusses oder der Zufriedenheit kann es daher nicht geben, auch wenn u.U. eine Mehrheit der Menschen an etwas Gefallen findet: Jeder muss sich selbst bewusst machen und für sich selbst erkennen, was für ihn genussvoll ist bzw. was ihn zufrieden macht.

 Genuss und Zufriedenheit dürfen nicht mit ausschweifendem Lebenswandel, ungezügelter Bedürfniserfüllung und der Sucht nach „Mehr“ verwechselt werden. Solchermaßen ungezügelte Gier führt vielmehr in den Stress und verhindert wirklichen Genuss und wirkliche Zufriedenheit: Bescheidenheit ist nicht nur eine Tugend, sondern wichtige Voraussetzung, um auch im Alltag genießen und zufrieden sein zu können, versuchen Sie aus „Weniger“ ein „Mehr“ an Zufriedenheit zu machen“.


Werden Sie zufriedener - auch mit unserer Seminareihe "Emotionen - Kern unserer Persönlichkeit" - den Zufriedenheit ist ausschließlich Sache unserer Emotionen

 

Ihr 

DRK-Ortsverein Sindelfingen e.V. 


 

 Zuhören


Im Zusammenhang mit der Bewältigung belastender Einsatzerlebnisse hat auch der

Psychologische Dienst der Polizei San Francisco

die Bedeutung des "Zuhörens" erkannt. Er wendet sich mit folgendem Rundschreiben an die Kollginnen und Kollegen in den Polizeidienststellen von San Francisco:

"Bitte höre mir zu !

Wenn ich Dich darum bitte, mir zuzuhören,
Du dich aber bemühst, mir Ratschläge zu geben,
dann hast Du weder verstanden, worum ich Dich gebeten habe, noch was ich jetzt brauche.
Wenn ich Dich darum bitte, mir zuzuhören,
Du dich aber bemühst, mir zu erklären, ich dürfe nicht so fühlen,
dann trittst Du auf meinen Gefühlen herum.
Wenn ich Dich darum bitte, mir zuzuhören,
Du dich aber bemühst, meine Probleme zu lösen,
dann hast Du mich nicht verstanden und Du bist weit weg von mir.

Bitte, höre mir doch zu!
Alles, worum ich Dich bitte ist,
erzähle mir jetzt nichts und tue jetzt auch nichts,
höre mir einfach zu!

Ratschläge sind billig zu haben,
Bücher, Zeitschriften und Ratgeber gibt es an jedem Kiosk.
Ich kann sie mir kaufen, denn ich bin nicht hilflos.
Ich mag entmutigt und orientierungslos erscheinen, aber hilflos bin ich nicht!
Wenn Du aber etwas für mich tust, was ich selbst für mich tun könnte und tun muss,
dann trägst Du dazu bei, dass ich hilflos und schwach erscheine und werde.
Wenn Du es aber einfach als schlichte Tatsache akzeptierst,
dass ich so fühle, wie ich fühle, egal, wie irrational Dir das auch erscheinen mag,
dann kann ich aufhören, an Dich zu appellieren
und damit beginnen zu verstehen, was geschehen ist.
Wenn Du das verstanden hast, dann werde ich auch besser verstehen können,
und dann werden sich zu den Fragen auch Antworten einstellen.

Vielleicht hilft deshalb manchen Menschen das Gebet,
weil Gott schweigt und keine Ratschläge gibt,
weil er geduldig darauf warten kann, dass wir selbst die richtigen Antworten finden.

Also bitte, höre mir zu!

Und wenn Du dann sprechen willst, dann verspreche ich,

auch Dir zuzuhören . . ."

 

Lieber Leser, wenn Sie nun über sich selbst ehrlich nachdenken -

wann haben Sie eigentlich das letzte Mal

> "richtig" zugehört?



Ihre Partner vom DRK-Ortsverein Sindelfingen




DRK_Banner_AlterMann



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Das Kohärenzgefühl


Das Kohärenzgefühl ist die - insbesondere emotional verinnerlichte -  Überzeugung eines Menschen, dass das Lebens trotz vieler Belastungen, Risiken und Unwägbarkeiten Wert ist, geführt zu werden, überwiegend Sinn macht und die auf einen zukommenden Probleme im Prinzip zu bewältigen sind. Es ist eine globale Orientierung, durch die ausgedrückt wird, in welchem Maße man ein durchgehendes, überdauerndes und dennoch dynamisches Gefühl der Zuversicht hat. Es ist das Gefühl,  dass

  1. die Ereignisse der inneren und äußeren Umwelt im Laufe des Lebens erklärbar, strukturiert, vorhersehbar und damit für den Einzelnen beherrschbar sind;
  2. die nötigen Ressourcen verfügbar sind, um den durch die Ereignisse gestellten Anforderungen im Sinne der eigenen Maßstäbe gerecht zu werden;
  3. diese Anforderungen als Herausforderungen zu verstehen sind, die es wert sind, sich dafür einzusetzen und zu engagieren.

Diese Orientierung und das Gefühl der Zuversicht beziehen sich somit auf drei Komponenten 

>                 das Gefühl der Verstehbarkeit

>                 das Gefühl der Bewältigbarkeit

>                 das Gefühl der Sinnhaftigkeit

Das Gefühl der Verstehbarkeit bezieht sich auf die Art und Weise der Wahrnehmung der inneren und äußeren Umwelt. und stellt die kognitive Komponente des Kohärenzgefühls dar. Das Gefühl ist um so ausgeprägter, desto mehr die aufgenommenen Informationen über die Lebenswelt als klar, geordnet und strukturiert erlebt und verarbeitet werden. Ein Gefühl der Ohnmacht und des Ausgeliefertseins wird im gleichem Maße reduziert oder verhindert. 

Das Gefühl der Bewältigbarkeit bezieht sich auf die Anforderungen, denen sich eine Person zu stellen hat und inwieweit sie von dieser Person subjektiv als beherrsch- und kontrollierbar wahrgenommen werden. Es handelt sich um eine Mischung aus kognitiver Einschätzung der eigenen Ressourcen, der Fähigkeit diese einzusetzen und der Zuversicht, dass die eigenen Ressourcen und ihre Verfügbarkeit zur Bewältigung der gestellten Aufgaben ausreichen. 

Das Gefühl der Sinnhaftigkeit beschreibt die motivationale Komponente, die ausdrückt, inwieweit eine Person das eigene Leben und seine Lebensumwelt emotional als bedeutungsvoll und wichtig wahrnimmt und dass es emotional Sinn macht sich dafür einzusetzen.

Das Kohärenzgefühl dient insbesondere dazu, zwischen den tatsächlich verfügbaren Ressourcen eines Menschen und deren Verfügbarkeit in konkreten Belastungssituation zu vermitteln. Je stärker das Kohärenzgefühl bei einer Person ausgeprägt ist, desto eher gelingt die Mobilisierung von Ressourcen im Prozessen der Stressbewältigung.  

Jeder Mensch hat im Rahmen seines sozio-kulturellen Kontextes ein Reservoir an Bewältigungsstrategien und anderer Ressourcen  zur Verfügung. Entscheidend kommt es darauf an, flexibel diejenigen aus diesem Fundus zu wählen und gezielt zu mobilisieren, die in der spezifischen Stresssituation für deren Bewältigung am besten geeignet sind - und dies auch zu wollen. Genau dafür ist das Kohärenzgefühl verantwortlich.


Und wie steht es mit Ihrem Kohärenzgefühl?



Ihr Ausbildungsteam "Psyche und Gesundheit" im DRK-Ortsverein Sindelfingen e.V.

 


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Zuwendung



Zuwendung, unter anderem in Form von Anerkennung und Kontakt, ist eines der elementarsten Bedürfnisse der Menschen. Wird dieses Bedürfniss nicht wenigstens im Ansatz erfüllt, geht der Mensch zugrunde. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist zum Beispiel das systematische Isolieren eines Menschen als Foltermethode eingestuft.

In unserer zunehmend individualisierten und ich-bezogenen Gesellschaft wird das Bedürfnis nach Zuwendung bis in die Familien hinein immer weniger erfüllt. Immer mehr Menschen versuchen daher in ihrer verzweifelten Suche nach Zuwendung,  die Erfüllung dieses Bedürfnisses zu erzwingen.

Zu erzwingen, indem sie persönliche Dramen ausleben,  Kleinigkeiten zu emotionalen Katastrophen hochspielen und/oder sogar sich einbilden, Krankheiten und Gebrechen zu haben, alles das nur, um Aufmerksamkeit zu erregen. Wenn sie dann die erwünschte Aufmerksamkeit erregt haben, bekommen sie allerdings von den anderen Menschen in der Regel allenfalls Mitleid. Ein sehr zweifelhafter und auf Dauer kaum befriedegender Ersatz für das, was sie sich eigentlich ersehnt haben, aber meist nicht erhalten: nämlich ehrliches Interesse und Zuwendung von anderen.

Interesse und Zuwendung kann man - wie Liebe - nicht erzwingen, schon gar nicht durch - für die anderen meist lästigen - Aufmerkskeitserreger. Werden diese zu häufig angewandt oder werden sie von den anderen als solche durchschaut, kann aus Mitleid meist nervige Ablehnung werden, wenn nicht sogar Lächerlichkeit und Verachtung.

Zuwendung kann man sich allenfals erdienen und hoffen, dass die Sehnsucht nach Erfüllung dieses Bedrüfnisse durch die anderen freiwillig erfolgt. Erdienen, indem man konsequent versucht, ein Netz sozialer Kontakte aufzubauen, andere kennen zu lernen und/oder sich Gruppen sympathischer Mitmenschen anzuschließen  -  ohne dabei die Angehörigen dieses Netzewerks bzw. dieser Gruppen zur Erfüllung der eigenen Bedürfnisse zu vereinnahmen.  Funktionierende soziale Netzwerke und Gruppenangehörigkeiten sind keine Einbahnstraße, sondern sind Beziehungen auf Gegenseitigkeit. Die Angehörigen versuchen freiwillig, die Bedürfnisse der anderen zu respektieren und wenn erforderlich, die anderen bei ihrer Bedürfniserfüllung zu unterstützen. In Sachen Zuwendung heißt dies, dass jeder erst einmal versuchen muss, den anderen in seinem Netzwerk oder in seiner Gruppe Zuwendung und Interesse zu geben bevor er erwarten kann, selbst Zuwendung und Interesse zu erhalten. Wer jedoch sich bemüht, sozusagen "in Vorleistung zu gehen", der wird schnell erfahren, dass auch ihm Zuwendung und Interesse entgegen gebracht wird: von einem mehr, vom anderen weniger.

Neben dieser "Vorleistung" ist es unabdingbar erforderlich, sich den meist ungeschriebenen Regeln und Normen der anderen, der jeweiligen Gruppe oder des Netzwerkes anzuschließen und diese zu respektieren. Dies heißt nicht, das man - zusammen mit anderen - nicht dieses Regeln verändern kann, aber eben nur zusammen mit den anderen. Wer meint, dass er nur kommen darf und alles geht nach seinem Kommando oder tanzt nach seiner Pfeife, wird kaum auf die ersehnte Zuwendung hoffen dürfen. 

Anderen Zuwendung entgegen bringen, heißt aber auch, sich zu bemühen, die anderen und ihre Gefühle, Wünsche, Sehnsüchte und Werte verstehen zu wollen. Verstehen bedeutet dabei nicht, alles gut zu heißen, sondern einfach die Bemühung, das was andere bewegt, nachvollziehen zu können. Viel hilft dabei, zu versuchen, sich in die Situation des anderen hineinzuversetzen und an sich selbst zu beobachten, was man selbst empfinden und wie man selbst reagieren würde.

Untrennbar verbunden mit echter Zuwendung ist schließlich Wertschätzung für die anderen. Wertschätzung bedeutet, dass einem die anderen wichtig und teuer sind und dass man Zeit für sie hat - und vor allem - dass man sie nicht für eigene Zwecke und Bedürfnisse ausnutzt.

Wer aufhört zu meinen, man sei der Nabel der Welt, wer aufhört zu meinen, alles und alle seien nur für einen selbst da - wer vielmehr sich um andere bemüht, auf sie freundlich zu geht und ihnen Nähe anbietet ohne diese Nähe aufzudrängen - der wird finden, was er so dringend sucht:

Zuwendung   -   und mit viel Glück sogar   -   Liebe



Ihr DRK-Ortsverein Sindelfingen e.V.




 

Zuletzt aktualisiert am Freitag, 09. März 2012 um 14:57 Uhr
 
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